„Das Allerwichtigste, was ein Coachee mitringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas zu verändern“

Business-Coach Jens Jannasch im Interview,

Teil II

Vor kurzem hat Jeannine Koch den 1. Teil des Interviews veröffentlicht. Gestern Abend ist der zweite Teil erschinen.

Wenn der Coachee den Coach interviewt: ein Feedback der anderen Art.

Lesen sie Hier das komplette Interview.

Teil III folgt 🙂

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Wer privat oder beruflich in einer Sackgasse steckt, oder einfach einmal eine neue Sichtweise auf Dinge des täglichen Lebens benötigt, geht entweder zur besten Freundin, zum Kumpel aus der Schulzeit oder aber holt sich professionelle Hilfe, zum Beispiel durch ein gezieltes systemisches Business-Coaching.

Jens Jannasch, zertifizierter Business-Coach, 38 Jahre alt und Vater einer dreijährigen Tochter, lebt gemeinsam mit seiner Freundin in Berlin, wo ich mich mit ihm zum Interview traf. Im ersten Teil des Interviews sprachen wir unter anderem über seine eigene bewegte Jobgeschichte, über berufsbegleitende Weiterbildungen, über den Ablauf eines Coachings und was man als Coachee zu ersten Stunde eigentlich mitbringen sollte. Zudem wollte ich mehr über seine Bewegründe als Business-Coach zu arbeiten, erfahren. Im zweiten Teil geht es vor allem darum, wie ein Business-Coaching genau abläuft und mit welchen Themen und Fragen man bei Jens richtig und gut aufgehoben ist.

Jeannine: Wie genau läuft denn so ein Coaching ab?

Jens: Der Coachee kommt in der Regel mit einem speziellen Problem zu mir. Dieses Problem sollte in eine Fragestellung umgewandelt werden. Die Fragestellungen sind teilweise sehr allgemein und lauten dann zum Beispiel: „Wo soll´s zukünftig beruflich hingehen“? oder „Was kann ich?“. Jeder Coachee kann jedoch ebenfalls mit einer sehr speziellen Frage starten. Dann kann man eine Fragestellung für jede einzelne Sitzung definieren, dies dient am Ende einer Sitzung auch als Erfolgsmessung für den Coachee. Es gibt auch Hausaufgaben auf, die man entweder bis zur nächsten Sitzung oder aber bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt erledigt haben sollte. Aber das Allerwichtigste, was ein Coachee mitbringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas ändern zu wollen, und damit dann auch die Bereitschaft und die nötige Zeit daran zu arbeiten.

Jeannine: Wie viele Sitzungen benötigt man denn pro Fragestellung etwa?

Jens: Zwischen sechs und acht Sitzungen sind es etwa, aber das kann man nicht pauschalisieren. Es sollte keine Langzeitgeschichte daraus werden, sonst besteht die Gefahr, sich auch als Coach in dieser Fragestellung nicht mehr abgrenzen zu können. Aber auch hier kann man nicht pauschalisieren. Ich kenne Coaches, die begleiten ihren Coachee seit längerer Zeit- mit wechselnden Fragestellung

Jeannine: Was sind für dich „Lieblingsfälle“, also Fragestellungen, die für dich auch immer wieder eine Herausforderung darstellen?

Jens: Alles rund um die Entscheidungsfindung! Das ist wahnsinnig spannend, weil es eine Grundlage gibt und man anhand dessen herausfinden kann, warum da eigentlich zwei Positionen gegeneinander stehen (was am Ende manchmal auch gar nicht mehr der Fall ist!). Außerdem gibt es hierfür ein tolles Tool, was fantastisch funktioniert, das Tetralemma – es macht einfach Spaß damit gemeinsam mit dem Coachee die mögliche(n) Lösung(en) zu erarbeiten.

Jeannine: Inwiefern grenzt sich Coaching von Therapie ab?

Jens: Es gibt Coachingsettings, da ist es eine Gratwanderung. Aber generell sollte ein guter Coach auf Grund seiner Vorerfahrung und Empathie die Grenze zwischen Therapie und Coaching erkennen und auch seine eigenen Grenzen erkennen und ggf. Coachingsettings abbrechen. Es darf auf keinen Fall passieren, dass ein Coach Laienpsychologie betreibt. Das sind komplett unterschiedliche Bereiche und Ausbildungsniveaus. Es gibt auch die Meinung in Fachkreisen, dass Menschen mit psychischen Einschränkungen von Nichtpsychologen nicht gecoacht werden sollten. Das finde ich eine pauschalisierte Ausgrenzung. Auf Grund meiner Erfahrung im Bereich mit psychisch erkrankten Menschen kann ich zum Beispiel die Grenzen gut erkennen. Ich hatte mehrere Coachees, die begleitend zum Coaching in Therapie waren. Das war eine sehr sinnvolle und effektive Ergänzung. Die Themen, welche im Coaching zum Beispiel in einer Aufstellung aufgekommen sind, wurden parallel in der Therapie besprochen. Wir haben uns in den Settings zum Beispiel um die berufliche Perspektive gekümmert, während die Therapie die Hintergründe bearbeitete. Um hier Grenzen gut und schnell erkennen zu können, sollte man sich stetig weiterbilden. Die Fortbildung „Psychopathologie für Coaches“ gibt hier zum Beispiel einen ersten Einblick in die Thematik.

Jeannine: Was hat dir die Weiterbildung zum Business-Coach persönlich gebracht?

Jens: Ich habe größeres Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen erhalten und dabei meine eigenen Stärken und Schwächen besser kennengelernt. Zum Beispiel habe ich über mich gelernt, dass für mich Verbindlichkeiten eine sehr große Rolle spielen und, dass ich im Berufsleben nicht mit Kollegen und Vorgesetzten klar komme, die jeden Tag ihre Aussagen und Meinungen ändern oder Unwahrheiten verbreiten. Im beruflichen und auch privaten Alltag muss man jedoch lernen damit umzugehen. Man kann die anderen nicht verändern. Diese Erkenntnis hat sehr gut getan und einiges in meinem Leben erleichtert. Eine andere Erkenntnis in der Ausbildung war, dass ich eine sehr hohe „Empathiefähigkeit“besitze. Also Dinge wahrzunehmen und auszusprechen, die einem an dem Gegenüber auffallen, wie Körperhaltung, Stimmlage, Finger knacken, Atemgeschwindigkeit etc. Ich dachte, dass das jeder hätte und dies demnach eine Selbstverständlichkeit sei.

Jeannine: Warum sollten Coachwillige zu dir kommen?

Jens: Allgemein gesagt: Ein Coachee steht für mich immer im Mittelpunkt! Er muss sich bei mir nicht verstellen, denn ich bin selbst authentisch und durch meine emphatischen Fähigkeiten würde ich dies sowieso sofort erkennen. Ich habe mein Studium im fünften Semester abgebrochen und bin seither diesen Weg als Job Coach und nun auch als Business-Coach gegangen – dies war vielleicht nicht die einzige Option, aber für mich die beste! Und genau diese, für jeden einzeln betrachtet, „beste Option“, möchte ich mit dem Coachee gemeinsam erarbeiten.

Jeannine: Was ist deine persönliche Perspektive hinsichtlich deiner Tätigkeit als Coach?

Jens: Dass sich meine Tätigkeit als Business-Coach langfristig genauso gut in den beruflichen Tagesablauf integrieren lässt wie jetzt und, dass ich viele Coachees weiterhin bei der Lösung ihrer Probleme unterstützen kann.Und natürlich viele positive Feedbacks auf der Website, hahahahahaha…

Jeannine: Danke Jens, für das interessante Gespräch und die Darlegung deiner Beweggründe als Business-Coach zu arbeiten. Vor fast zwei Jahren war ich selbst einmal Coachee bei dir und kann nur sagen, dass mir diese Settings extrem weitergeholfen haben. Mehr hierzu in einem der nächsten Blogposts!

Über die Autorin:

Die gebürtige Berlinerin Jeannine Koch (geb. Bahrke) ist diplomierte Medienberaterin. Im August 2010 beendete sie am Institut für Sprache und Kommunikation an der TU Berlin ihr Studium. In ihrer Abschlussarbeit behandelte sie das Thema „Über den öffentlichen Umgang mit privaten Daten am Beispiel Facebook“. Zudem studierte sie Anglistik/ Amerikanistik und Neuere Deutsche Philologie an der HU und TU Berlin sowie International Communication an der Macquarie University in Sydney, Australien. Nach ihrer Rückkehr 2009 arbeitete sie als Werkstudentin in der Telekom Dependance „Products & Innovation“ in Berlin und verantwortete bis Oktober 2010 den Bereich Social Media des Online TV Guides „tvister“. Von 2010 bis 2011 war sie Head of Marketing & Communications des Berliner Schuhlabels ZEHA Berlin. Seit 2012 ist sie bei der IGA Berlin 2017 zuständig für die Bereiche Marketing & Communications.

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www.jeanninekoch.de

Foto (C) Florian Dietrich

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung

Das Zitat um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung von Antoine de Saint-Exupéry könnte der Leitspruch meiner vergangenen Coachingsettings sein. 4 Coachees mit den unterschiedlichsten Fragestellungen zur beruflichen Weiterentwicklung. Sie haben jedoch eines gemeinsam: sie drehen sich mit ihren Entscheidungen und Fragestellungen seit längerem im Kreis und kommen nicht voran. Sie setzen die Für- und Wider gegenüber und verwerfen Visionen mit der Begründung, dass diese entweder nicht logisch seien oder „die anderen“ das so nicht mitmachen würden.

Schnell neigen wir dazu bei Fragestellungen die Entscheidungen von anderen zu wissen und nehmen dies dann als Ausschlusskriterium.

Ein Beispiel:
H. möchte eine Fortbildung machen. Diese ist jedoch kostspielig. Er beschäftigt sich seit fast einem halben Jahr mit dem Thema und rechnet hin und her, ob er sich diese Fortbildung selbst finanzieren kann. Er ist der Meinung, dass seine Firma eine solch teure Weiterqualifizierung nicht übernehmen würde.
Er bezieht bei seinen Überlegungen auch seine Familie mit ein. Er hätte in den kommenden zwei Jahren weniger Zeit für die Familie. Seine Aussage war, dass sie dies nicht mittragen würde, da eine einseitige Betreuung der Kinder für diesen Zeitraum durch seine Frau egoistisch wäre und seine Partnerin dies nicht unterstützen würde.
In der Firma von H. äußert die Geschäftsleitung seit längerem, dass jegliche Kosten reduziert werden müssen. Seine Schlussfolgerung hieraus war, dass er dann „logischerweise“ keine kostspielige Fortbildung finanziert bekomme.

Da er für sich weiter kommen möchte und mit sich „im Stillen“ ausgemacht hat, dass er von keiner Seite aus Unterstützung bekommt, kam es in den letzten Wochen vermehrt zu Spannungen im privaten und beruflichen Umfeld. Er suchte mich deshalb auf Empfehlung auf und erhofft sich durch das Coaching eine klarere Sicht der Dinge.
Schon bei der Analyse der aufgeschriebenen Fragestellung kristallisierte sich heraus, dass er als Person hier nicht erscheint, sondern es sich um die eventuellen Reaktionen der anderen Beteiligten handelt.
Im weiteren Verlauf fiel dann auf, dass er fast jede Entscheidung mit seinen „inneren Stimmen“ ausdiskutiert und dann für sich zu einem unbefriedigenden Ergebnis kam.
Hier bot sich dann ein Tool an, bei welchem jede einzelne Stimme erfasst und dann aufgestellt wird. Der Coachee schlüpft dann in die jeweilige Rolle und betrachtet seine Situation aus dieser Perspektive heraus. Sobald er versucht aus einer anderen Rolle heraus zu sprechen, bzw. für eine andere Person, interveniert der Coach, damit der Coachee nur in seiner Rolle bleibt.
So strikt ist man in der Regel nicht zu Hause „im stillen Kämmerlein“, da sich hier immer wieder verschiedene andere Perspektiven und Ansichten zu Wort melden.
Hier konnte H. erleben, dass Stimmen, die er eigentlich als sehr negative Eigenschaft empfand, aus jener Perspektive eine positive und schützende Eigenschaft sind. Auch Standpunkte, welche er im Vorgespräch als Fakt ansah gerieten ins Wanken und weichten auf.
Er konnte also, um wieder auf das Zitat von de Saint-Exupéry zurück zu kommen, aus einer ihm völlig unbekannten Blickrichtung sein System und seine Fragestellung betrachten und hat dank dieses Tools es geschafft, viele Dinge anders und klarer zu sehen.

Er kann nicht wissen, wie seine Geschäftsleitung auf Fortbildungen reagiert, wenn er sie nicht fragt.
Resümee war hier: Die Firma investiert in die Fortbildung der MitarbeiterInnen. H. konnte erläutern, welche Vorteile das Unternehemen hat, wenn er diese Zusatzqualifikation hat. In diesem Gespräch erklärte der Personalchef ihm, dass die Firma Zuschüsse für Fortbildungen dieser Art erhält. Punkte, welche er in seine Überlegung vorher gar nicht einbezogen hat.

Er kann nicht wissen, wie seine Familie auf Fortbildungen reagiert, wenn er sie nicht fragt.
Resümee war hier: Seine Frau unterstütze ihn bei diesem Vorhaben in alle Richtungen und wunderte sich, dass er Bedenken hatte, das sie dies nicht machen sollte. Sie selbst wolle sich auch noch beruflich weiterentwickeln und es werden dann auch Zeiten kommen, an denen er mehr auf die Kinder aufpassen müsse.

Haben Sie auch eine solche Situation erlebt oder begleitet ?
Über ein Feedback und einen Austausch würde ich mich freuen.

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