Interview in der FAZ: Was ich zur Frage familiärer Verpflichtungen im Bewerbungsgespräch beigetragen habe

Wie offen sollte man im Bewerbungsgespräch über private Herausforderungen sprechen? Diese Frage hat die Journalistin Josefine Janert in einem aktuellen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) aufgegriffen und dazu verschiedene Expert*innen interviewt – darunter auch mich.

Im Fokus des Beitrags stehen Themen wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und chronische Erkrankungen – also familiäre Verpflichtungen, die den beruflichen Alltag beeinflussen können. Janert beleuchtet, ob und wie solche Aspekte im Vorstellungsgespräch angesprochen werden sollten, ohne die eigenen Chancen zu gefährden.

Für Bewerber*innen stellt sich oft die Frage:

  • Bin ich zu ehrlich, wenn ich über meine familiäre Situation spreche?
  • Oder wirke ich unzuverlässig, wenn ich nichts erwähne und später Einschränkungen auftauchen?

Der Artikel bietet praxisnahe Empfehlungen, wie man mit dieser Gratwanderung umgehen kann – abhängig von Branche, Unternehmenskultur und Gesprächssituation.

Lesetipp: Den vollständigen Beitrag findest du auf der Website der FAZ unter folgendem Link:

Kinder, Krankheit, Pflege: Was sollte ich im Bewerbungsgespräch ansprechen? | FAZ

Null Bock im Job ? Gründe für ein frustriertes Berufsleben

Frustration, Lustlosigkeit und „Null Bock“ bei der Arbeit?

Wertet man im Coaching den Beginn der „Null Bock auf den Job“ Phase aus, so gibt es zwei Lager. Die einen „erwischt“ es ziemlich unerwartet und es war „auf einmal da“. Bei den anderen ist es ein schleichender Prozess, dessen Anfang gar nicht mehr genannt werden kann- teilweise sich über Jahre hinweg zieht.

Zu diesem Thema habe ich wieder ein Interview für Deutsche Welle Russland gegeben, welches heute veröffentlicht wurde (siehe Link)

Link zum Interview für Deutsche Welle Russland (auf russisch veröffentlicht)

„Man wartet bereits Montags auf das Wochenende“

Diese Lustlosigkeit bei der Arbeit. Man wartet Montags bereits darauf, das Wochenende ist. Strichlisten werden geführt, bis endlich wieder Urlaub ist. Im Urlaub kann dann zum Ende hin nicht mehr entspannt werden, da man mit den Gedanken schon wieder im Job ist. Auf der Arbeit selbst läuft dann auch nichts mehr richtig. Projekte scheinen uninteressant und aussichtslos. Die Kollegen nerven. Gemeinsame Pausen oder Aktivitäten lassen zunehmend nach oder werden komplett abgelehnt. Identifikation mit dem Job? Fehlanzeige.

„Steigende Selsbtzweifel bei Unzufriedenheiten im Job“

Einige meiner Coachees fielen dann in Selbstzweifel. Dass einfach alles schlecht läuft. Aber auch, dass man keinen Ausweg findet.

  • Wo soll man denn hin?
  • Welche Firma nimmt mich denn?
  • Was kann ich denn überhaupt?
  • Habe ich überhaupt auf meinen Job weiterhin Lust?

Einige Coachees sagen, sie wollen etwas komplett anderes. Eine komplett andere Stelle. Eine andere Branche.

Aber wie?

Die Frage im Coaching ist dann zunächst: warum? Auch wenn das Wort „Warum“ im Coaching eigentlich vermieden wird, da es in manchen Situationen als Vorwurfsvolle Fragestellung wirken kann, ist es in diesem Fall aber sehr wichtig herauszufinden, was der Auslöser für diese Lustlosigkeit ist. Und wann diese Lustlosigkeit angefangen hat.

„Ein Motivationslebenslauf beleuchtet die Rahmenbedingungen“

Hier wende ich im Coaching gerne ein effektives und Tool an. Das Erstellen eines Motivationslebenslaufes.
Hier wird an Zeitskalen jede einzelne Station im Berufsleben (bei jungen Menschen Schul- und Studienzeit) inkl. Nebenjobs Monatsgenau aufgeführt. Auf der vertikalen Zeitskala notiert man die Jahre, auf der horizontalen Achse von 1-10 (1= gar nicht, 10 sehr) die Motivation.

Nun beginnt man jede einzelne Station aufzuschreiben.

  • Wie motiviert war ich zu Beginn
  • wie ist die Motivationskurve verlaufen? Nach oben? Nach unten? Geradlinig?
  • Wann habe ich gekündigt/ wurde mir gekündigt/ habe ich die Stelle/ Position gewechselt?
  • Wie war dann meine Motivation?

Ist man dann am heutigen Punkt angekommen, schaut man sich ganz konkret die Rahmenbedingungen an. Was war ganz konkret die Rahmenbedingung bei jeder Veränderung der Motivationskurve. Ob Aufwärts- oder Abwärtstrend.

  • Wie waren die Kollegen?
  • Welche konkrete Aufgabe hatte ich?
  • Wie war das Verhältnis zu meinem Chef?
  • Zum Team?
  • Wie ausgelastet war ich?
  • War ich unterfordert, überfordert?
  • Hatte ich Perspektiven auf Entwicklung?
  • Wurden Zusagen gemacht, welche nicht eingehalten wurden?
  • Wie gerne bin ich zum Job gegangen?
  • Was war meine Intention? Meine Vision? Und so weiter.

Hier beschäftigt man sich ganz konkret mit jeder einzelnen Situation und beleuchtet Detailliert das gesamte Umfeld und die Rahmenbedingungen. Manchmal ergeben sich über die Jahre hinweg auf dem Diagramm Muster. Zu Beginn motiviert, es gibt Perspektiven, Aufstiegschancen, finanzielle und personelle Entwicklung. Ist ein Wunschziel erreicht, lässt die Motivation nach. Zum Beispiel weil das Team weg fällt und man nun der Team Leader ist. Der Vorgesetzte.

Obere Skala Kompetenzgefühl, untere Skala Zufriedenheit/ Motivation

„Ich möchte gar keine Führungskraft sein!“

Es gibt Coachees die haben bei diesem Tool für sich herausgearbeitet, dass sie immer dem Ziel gefolgt sind, eine Führungskraft zu sein. Wenn sie es waren, hatten sie auf den Job keine Lust mehr. Wurden frustriert. Es wurde auf dem Diagramm der Rahmenbedingungen transparent, dass sie stets auf Hochtouren gelaufen sind, wenn sie in einem Team gearbeitet haben. Wenn immer jemand als Chef da war, der die Aufgaben abgesichert und bestätigt hat. Direktes Feedback gegeben hat. Als sie dann das Ziel erreicht haben selbst Führungskraft zu sein, mussten sie die Aufgaben abnehmen. Feedbacks geben. Teamkollegen haben sich distanziert. „von oben“ kam ganz anderer Druck aber kein Feedback. Sie haben dann erkannt, dass sie keine Führungskraft sind und eigentlich auch nicht sein wollen.

“ Nicht eingehaltene Zusagen können ein Grund von wachsender Frustration sein“

Bei anderen stellt sich heraus, dass Zusagen der Geschäftsleitung nicht eingehalten wurden. Dass sie in Wartepositionen sind. Mehr wollen. Keine Perspektive für einen beruflichen Aufstieg mehr sehen. Nicht ausgelastet sind. Oder das die Kollegen nicht miteinander auskommen. Man die Aufgaben einfach annimmt und abarbeitet ohne einen Einfluss darauf zu haben.
Hier muss dann im Weiteren Coachingverlauf geguckt werden, wie man mit dieser Situation umgeht.

Reißleine ziehen und kündigen?

Aber nicht bevor man sich über das Warum und die Konsequenzen klar ist und auch wo es weiter gehen soll und welche Wiederholungsfehler vermieden werden sollten.

[dsgvo_facebook_like]

„Das Allerwichtigste, was ein Coachee mitringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas zu verändern“

Business-Coach Jens Jannasch im Interview,

Teil II

Vor kurzem hat Jeannine Koch den 1. Teil des Interviews veröffentlicht. Gestern Abend ist der zweite Teil erschinen.

Wenn der Coachee den Coach interviewt: ein Feedback der anderen Art.

Lesen sie Hier das komplette Interview.

Teil III folgt 🙂

[quote]

Wer privat oder beruflich in einer Sackgasse steckt, oder einfach einmal eine neue Sichtweise auf Dinge des täglichen Lebens benötigt, geht entweder zur besten Freundin, zum Kumpel aus der Schulzeit oder aber holt sich professionelle Hilfe, zum Beispiel durch ein gezieltes systemisches Business-Coaching.

Jens Jannasch, zertifizierter Business-Coach, 38 Jahre alt und Vater einer dreijährigen Tochter, lebt gemeinsam mit seiner Freundin in Berlin, wo ich mich mit ihm zum Interview traf. Im ersten Teil des Interviews sprachen wir unter anderem über seine eigene bewegte Jobgeschichte, über berufsbegleitende Weiterbildungen, über den Ablauf eines Coachings und was man als Coachee zu ersten Stunde eigentlich mitbringen sollte. Zudem wollte ich mehr über seine Bewegründe als Business-Coach zu arbeiten, erfahren. Im zweiten Teil geht es vor allem darum, wie ein Business-Coaching genau abläuft und mit welchen Themen und Fragen man bei Jens richtig und gut aufgehoben ist.

Jeannine: Wie genau läuft denn so ein Coaching ab?

Jens: Der Coachee kommt in der Regel mit einem speziellen Problem zu mir. Dieses Problem sollte in eine Fragestellung umgewandelt werden. Die Fragestellungen sind teilweise sehr allgemein und lauten dann zum Beispiel: „Wo soll´s zukünftig beruflich hingehen“? oder „Was kann ich?“. Jeder Coachee kann jedoch ebenfalls mit einer sehr speziellen Frage starten. Dann kann man eine Fragestellung für jede einzelne Sitzung definieren, dies dient am Ende einer Sitzung auch als Erfolgsmessung für den Coachee. Es gibt auch Hausaufgaben auf, die man entweder bis zur nächsten Sitzung oder aber bis zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt erledigt haben sollte. Aber das Allerwichtigste, was ein Coachee mitbringen sollte, ist den Willen, wirklich etwas ändern zu wollen, und damit dann auch die Bereitschaft und die nötige Zeit daran zu arbeiten.

Jeannine: Wie viele Sitzungen benötigt man denn pro Fragestellung etwa?

Jens: Zwischen sechs und acht Sitzungen sind es etwa, aber das kann man nicht pauschalisieren. Es sollte keine Langzeitgeschichte daraus werden, sonst besteht die Gefahr, sich auch als Coach in dieser Fragestellung nicht mehr abgrenzen zu können. Aber auch hier kann man nicht pauschalisieren. Ich kenne Coaches, die begleiten ihren Coachee seit längerer Zeit- mit wechselnden Fragestellung

Jeannine: Was sind für dich „Lieblingsfälle“, also Fragestellungen, die für dich auch immer wieder eine Herausforderung darstellen?

Jens: Alles rund um die Entscheidungsfindung! Das ist wahnsinnig spannend, weil es eine Grundlage gibt und man anhand dessen herausfinden kann, warum da eigentlich zwei Positionen gegeneinander stehen (was am Ende manchmal auch gar nicht mehr der Fall ist!). Außerdem gibt es hierfür ein tolles Tool, was fantastisch funktioniert, das Tetralemma – es macht einfach Spaß damit gemeinsam mit dem Coachee die mögliche(n) Lösung(en) zu erarbeiten.

Jeannine: Inwiefern grenzt sich Coaching von Therapie ab?

Jens: Es gibt Coachingsettings, da ist es eine Gratwanderung. Aber generell sollte ein guter Coach auf Grund seiner Vorerfahrung und Empathie die Grenze zwischen Therapie und Coaching erkennen und auch seine eigenen Grenzen erkennen und ggf. Coachingsettings abbrechen. Es darf auf keinen Fall passieren, dass ein Coach Laienpsychologie betreibt. Das sind komplett unterschiedliche Bereiche und Ausbildungsniveaus. Es gibt auch die Meinung in Fachkreisen, dass Menschen mit psychischen Einschränkungen von Nichtpsychologen nicht gecoacht werden sollten. Das finde ich eine pauschalisierte Ausgrenzung. Auf Grund meiner Erfahrung im Bereich mit psychisch erkrankten Menschen kann ich zum Beispiel die Grenzen gut erkennen. Ich hatte mehrere Coachees, die begleitend zum Coaching in Therapie waren. Das war eine sehr sinnvolle und effektive Ergänzung. Die Themen, welche im Coaching zum Beispiel in einer Aufstellung aufgekommen sind, wurden parallel in der Therapie besprochen. Wir haben uns in den Settings zum Beispiel um die berufliche Perspektive gekümmert, während die Therapie die Hintergründe bearbeitete. Um hier Grenzen gut und schnell erkennen zu können, sollte man sich stetig weiterbilden. Die Fortbildung „Psychopathologie für Coaches“ gibt hier zum Beispiel einen ersten Einblick in die Thematik.

Jeannine: Was hat dir die Weiterbildung zum Business-Coach persönlich gebracht?

Jens: Ich habe größeres Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen erhalten und dabei meine eigenen Stärken und Schwächen besser kennengelernt. Zum Beispiel habe ich über mich gelernt, dass für mich Verbindlichkeiten eine sehr große Rolle spielen und, dass ich im Berufsleben nicht mit Kollegen und Vorgesetzten klar komme, die jeden Tag ihre Aussagen und Meinungen ändern oder Unwahrheiten verbreiten. Im beruflichen und auch privaten Alltag muss man jedoch lernen damit umzugehen. Man kann die anderen nicht verändern. Diese Erkenntnis hat sehr gut getan und einiges in meinem Leben erleichtert. Eine andere Erkenntnis in der Ausbildung war, dass ich eine sehr hohe „Empathiefähigkeit“besitze. Also Dinge wahrzunehmen und auszusprechen, die einem an dem Gegenüber auffallen, wie Körperhaltung, Stimmlage, Finger knacken, Atemgeschwindigkeit etc. Ich dachte, dass das jeder hätte und dies demnach eine Selbstverständlichkeit sei.

Jeannine: Warum sollten Coachwillige zu dir kommen?

Jens: Allgemein gesagt: Ein Coachee steht für mich immer im Mittelpunkt! Er muss sich bei mir nicht verstellen, denn ich bin selbst authentisch und durch meine emphatischen Fähigkeiten würde ich dies sowieso sofort erkennen. Ich habe mein Studium im fünften Semester abgebrochen und bin seither diesen Weg als Job Coach und nun auch als Business-Coach gegangen – dies war vielleicht nicht die einzige Option, aber für mich die beste! Und genau diese, für jeden einzeln betrachtet, „beste Option“, möchte ich mit dem Coachee gemeinsam erarbeiten.

Jeannine: Was ist deine persönliche Perspektive hinsichtlich deiner Tätigkeit als Coach?

Jens: Dass sich meine Tätigkeit als Business-Coach langfristig genauso gut in den beruflichen Tagesablauf integrieren lässt wie jetzt und, dass ich viele Coachees weiterhin bei der Lösung ihrer Probleme unterstützen kann.Und natürlich viele positive Feedbacks auf der Website, hahahahahaha…

Jeannine: Danke Jens, für das interessante Gespräch und die Darlegung deiner Beweggründe als Business-Coach zu arbeiten. Vor fast zwei Jahren war ich selbst einmal Coachee bei dir und kann nur sagen, dass mir diese Settings extrem weitergeholfen haben. Mehr hierzu in einem der nächsten Blogposts!

Über die Autorin:

Die gebürtige Berlinerin Jeannine Koch (geb. Bahrke) ist diplomierte Medienberaterin. Im August 2010 beendete sie am Institut für Sprache und Kommunikation an der TU Berlin ihr Studium. In ihrer Abschlussarbeit behandelte sie das Thema „Über den öffentlichen Umgang mit privaten Daten am Beispiel Facebook“. Zudem studierte sie Anglistik/ Amerikanistik und Neuere Deutsche Philologie an der HU und TU Berlin sowie International Communication an der Macquarie University in Sydney, Australien. Nach ihrer Rückkehr 2009 arbeitete sie als Werkstudentin in der Telekom Dependance „Products & Innovation“ in Berlin und verantwortete bis Oktober 2010 den Bereich Social Media des Online TV Guides „tvister“. Von 2010 bis 2011 war sie Head of Marketing & Communications des Berliner Schuhlabels ZEHA Berlin. Seit 2012 ist sie bei der IGA Berlin 2017 zuständig für die Bereiche Marketing & Communications.

[/quote]

[dsgvo_facebook_like]

www.jeanninekoch.de

Foto (C) Florian Dietrich