Deutsch- Französischer Coaching Austausch

Vor ein paar Monaten hatte ich eine Anfrage aus Frankreich erhalten.

Eine junge Frau ist auf der Suche nach einem Thema für die Abschlussarbeit ihrer Coachingausbildung.

Ein Deutsch- Französischer Coaching Austausch begann.

Sie hat mein Buch „Business Coaching bei Menschen mit psychischen und/ oder geistiger Behinderung“ gelesen und hatte hier einige Fragen zum konkreten Ablauf.

Hieraus wurde ein sehr intensiver Austausch in welchem es Anfangs um generelle Fragen in der Umsetzung vom systemischen Coaching bei Menschen mit Einschränkungen ging, später um detaillierte Coachingtools und deren Anwendungsmöglichkeiten.

Aber auch um eventuelle Gefahren. Das man zum Beispiel  stets darauf achten muss das Coachingformat nicht zu verlassen und therapeutische Ansätze beginnt.

Gerade bei Menschen mit psychischen Einschränkungen sind hier die Grenzen sehr verschwommen.

Ein spannender Austausch über die Umsetzung des Coachings und dessen Rahmenbedingungen in Deutschland und die aktuelle Situation in Frankreich ging einher.

Es freut mich sehr, dass Frau Blanchard auch auf Grund dieses Austauschs das Thema „Coaching für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben“ für ihre Abschlussarbeit gewählt hat und die Ausbildung hiermit erfolgreich abschließen konnte.

félicitations!

Ein weiteres Mosaiksteinchen im selbstverständlichen Umgang mit dieser Zielgruppe ist gelegt.

le succès continu.

Auch hat mich Frau Blanchards Kommentar über unsere Zusammenarbeit auf meiner Website, welchen ich hier zitiere, sehr gefreut.

„Lieber Herr Jannasch,
Danke für die Zusammenarbeit und Ihre Hilfe bei meiner Coaching Abschlussarbeit und Ihre Zeit, die Sie für mich zur Verfügung gestellt haben. Ihre Passion und Begeisterung haben dazu geführt, dass ich meine Abschlussarbeit zum Thema „Coaching für behinderte Menschen im Arbeitsleben“ erfolgreich abschließen konnte. Sie verfügen über enormes Wissen und konnten mir als Französin einen Einblick in die deutsche Coaching Branche geben. Vielen Dank für die rasche Beantwortung meiner vielen Fragen per Mail.
Ich wünsche Ihnen alles Gute weiterhin und freue mich wieder einmal bei Ihnen melden zu dürfen.
Liebe Grüße aus Lyon,
Céline“

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Job Coaching in Südafrika – so weit weg – und doch so nah!

Vor kurzem war eine Delegation von „Cape Mental Health Society“ aus Südafrika zu Besuch, die sich sehr für das Job Coaching bei Menschen mit Behinderung interessieren. Sie probieren dort ähnliche Systeme aufzubauen, wie es sie in Deutschland – speziell in Berlin – gibt, um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Ein absolut interessanter Austausch. Eine Stunde war angesetzt- über 2 Stunden wurden es. Nach einem kurzen Konzeptaustausch ging es dann um Möglichkeiten und Grenzen im systemischen Coaching und Job Coaching bei Menschen mit Einschränkungen.
Obwohl Südafrika für uns am „anderen Ende der Welt“ zu sein scheint, gibt es dort die selben Stolpersteine bei der Integration wie hier. Identische Vorurteile. Ähnliche Ängste und Sorgen der Menschen. Einig waren wir uns auch darin, dass die systemische Arbeit bei diesem Personenkreis sehr effektiv ist.
Es ist immer wieder erfrischend Konzepte mit anderen Städten, Bundesländern und Kulturkreisen auszutauschen. Wie groß sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen Städten/Bundesländern? Wie klein sind die Unterschiede bei Sorgen und Fragestellungen in anderen Kulturkreisen? Wie identisch sind manche Vorgehensweisen- und Vorurteile- in anderen Ländern?
Was aber bisher in jedem Austausch als eines der Ergebnisse fest stand: Hemmnisse in der Integration sind nicht die Einschränkungen der Personen oder die fehlende Motivation von Firmen Menschen mit Behinderung einzustellen.
Hemmnisse sind die Rahmenbedingungen sowie die Finanzierung effektiver und funktionierender Konzepte.
In meinem Vortrag im März auf der Werkstättenmesse in Nürnberg erwähnten wir einige dieser Strukturprobleme. Der (nicht) Kommunikation verschiedener/ gleicher Behörden untereinander.
Im Anschluss habe ich noch viele Gespräche mit KollegInnen aus anderen Bundesländern geführt. Alle stimmten hier eindeutig zu.
Und genau so auch in Südafrika. Es wird vom Gesetzgeber eine Vorgabe gegeben. Aber bis zur Erfüllung sollte alles kostenneutral ablaufen. Oder es wird nur begrenzt gefördert.
Ergibt viele EU geförderte Projekte, die bis zu einem Zeitpunkt x finanziert werden. Sie werden evaluiert. Es wird sich gewundert, warum es nicht so gut läuft. Die Personen an der Basis signalisieren aber schon lange, dass die Finanzierung nicht bei x enden darf, sondern bis z weitergeführt werden muss. Bei dem Personenkreis von Menschen mit Behinderung ist es wichtig, nachhaltig zu arbeiten. Nicht aufzuhören, wenn ein Zertifikat erlangt wurde. Nicht aufzuhören, wenn ein Praktikum gut verlaufen ist. Nein. Begleiten, fördern, schulen, coachen. Um eine Langfristigkeit zu gewährleisten.
Diese Debatte führte ich also mit einer Delegation aus Südafrika. Vom anderen Ende der Welt. Und doch im Arbeitsprozess so nah. Vielleicht sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, warum es auf der ganzen Welt die gleichen Probleme in diesem Bereich gibt.
Es ist super, dass es die UN Konventionen für Menschen mit Behinderung gibt. Es sollte aber auch genauer geguckt werden, wie man diese optimal umsetzen kann. Aus meiner täglichen Arbeit als Job Coach kann ich nur sagen: die Bereitschaft von Firmen ist da. Die motivierten Mitarbeiter sind vorhanden. Aber die Finanzierung, beide Personenkreise zusammen zu bringen, hinkt hinterher.