Personal-alle Chancen genutzt? LAGeSo Interview

…zwar schon etwas älter, habe ich aber gerade beim surfen im Netz entdeckt. Ein Kurzinterview zur

[quote]Arbeitgeberveranstaltung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales / Integrationsamt in der Landesvertretung Schleswig-Holstein, am 25. November 2011.
Demographischer Wandel, Fachkräftemangel, Gewinnung neuer Mitarbeiter/-innen, Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit – dies sind Themen, mit denen Sie sich, als Arbeitgeber täglich auseinandersetzen müssen.
Die damit verbundenen Fragestellungen betreffen auch Beschäftigte mit Schwerbehinderung sowie leistungsgewandelte Mitarbeiter/-innen. Für das Berliner Integrationsamt ist dies der wichtigste Anknüpfungspunkt, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, Ihren Bedarf zu erfahren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.[/quote]

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Was “Höchste Eisenbahn” mit der Sängerin Judith Holofernes von “Wir sind Helden“ mit Coaching zu tun haben

Wir leben immer wieder in der Zukunft. Oft hört man „…wenn ich in Rente bin, dann…“ oder „…mit 40 starte ich nochmal richtig durch“. Noch öfters wird gesagt „damit beginne ich gleich nächsten Monat/Woche“.
Aber was macht man in der Zwischenzeit? Jetzt in diesem Moment?
Was macht man in den Jahren, Monaten, Wochen bis zum Start?
Wissen wir denn, was in 10-20 Jahren ist? Kann innerhalb von Sekunden nicht jeder Plan verworfen werden ?
Ich arbeite oft mit Menschen mit Einschränkungen zusammen. Nicht selten kommt es vor, dass ein Coachee erzählt, was er sich für Ziele in der Zukunft gesetzt hat. 15 Jahre hat ein Klient zum Beispiel seinen jähzornigen Chef tagtäglich über sich ergehen lassen. Immer mit dem Satz: nur noch 15 Jahre. Dann bin ich im Vorruhestand.10 Jahre,5 Jahre…- Verkehrsunfall, Querschnittslähmung. Ziele geplatzt. Nichts von all dem, was er machen wollte, kann er heute noch machen. Heute bereut er jeden Tag, den er vergeudet hat.

Und hierzu wieder einmal ein Ausschnitt aus einem Song. Die Band „Höchste Eisenbahn“ hat mit der Sängerin Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ im Lied „Vergangenheit“ folgendes gesungen:

Du dachtest: „Wenn ich richtig alt bin, hör ich endlich auf mit Allem
Und dann fülle ich mein Leben nur mit Schönem, Wahrem, Prallem.“
Du dachtest viel darüber nach und fasstest den konkreten Plan
Du wirst am ersten Tag als Rentner zum Haus deiner Eltern fahren

Du dachtest: „Dann bau ich mir endlich ein Haus in meinem Baum,
der dann zu den Sternen raufwächst, wie in meinem Traum.“
Du dachtest viel nach auf der Fahrt und nach den zehn Stunden warst Du da
Doch wo Dein Haus mit deinem Baum war stand ein E-D-E-K-A “

Man setzt sich also Ziele. Möchte wenn man auf Rente ist seinen großen Lebenstraum erfüllen. Allerdings gibt es den Baum zur Verwirklichung nicht mehr, da an dessen Stelle ein Supermarkt steht. Und jetzt?
Hat man sein Leben lang auf einen Punkt hin gearbeitet, der letztendlich nicht erfüllbar ist.
Und was hat man währenddessen gemacht? Das Leben im schlimmsten Fall an sich vorbei ziehen lassen.
Der Klassiker beim Herausschieben von Veränderungen sind die Neujahrsvorsätze. Wie oft werden sie gehalten? Muss halt bis zum nächsten Silvester abgewartet werden.
Oder die Diät? Nur noch diesen Jumboeisbecher-dann mache ich FDH. Wenigstens kann man bei letzterem Beispiel sagen: gut gemacht. Jetzt gelebt. Jetzt genossen. Aber wie immer sollte alles in Maßen stattfinden.
Aber wie erst einmal zu dieser Erkenntnis kommen?
Wenn man weiß, wie man seine Problemzonen weg bekommt, ist man schon ordentlich weit. Man hat es erkannt, sich damit auseinander gesetzt und muss es „nur“ noch umsetzen.
In anderen Lebenssituationen kann dieses „erkennen“ aber weitaus schwieriger sein.
Einige Beispiele habe ich in meinem Blog schon beschrieben.
Andere könnten sein, sich beruflich zu verändern: „Ständig diese monotone Arbeit. Aber wenn ich auf Rente bin, dann lebe ich kreativ…“
Aha. Aber der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“. Hat er sich erst einmal mit einer Situation abgefunden und arrangiert, ist es sehr schwer aus diesem „Trott“ wieder heraus zu finden.
Um es „erträglich“ zu machen redet man sich ständig Argumente und Ausreden ein, die es einem leichter machen die unbequeme Situation zu erdulden.
Und hier sollte man auf sich besser aufpassen. Ein Leben zu führen, in dessen Inhalt das „ertragen“ die Hauptrolle spielt, sollte dringend einmal überdacht werden.

In fast jedem Einrichtungskatalog kann man den Spruch „Carpe Diem“ – Genieße den Tag kaufen. Aber wenn man diesen Spruch nur als Deko an die Wand klebt, bringt er nicht so viel Freude, als wenn man danach lebt.
Und hier wieder. In Maßen. Ich habe auch Freunde, die leben, als wenn es ihr letzter Tag wäre. Einer hat Burn Out. Auch nicht das gewünschte Ziel.

Ziele sind in unserem Leben wichtig. Lebenswichtig. Es gab Studien, in denen hat man Menschen beobachtet, die ein Ziel hatten. Ziele, die vielleicht nie erreichbar sind. Aber sie waren optimistisch ihr Leben zu leben und alles zu machen, um diesem Ziel näher zu kommen.
Die andere Gruppe waren Menschen, die ihr Ziel erreicht haben. Im Lotto gewonnen. Endlich in Rente. Oder im schlimmsten Fall, wie ich in einem Vortrag von Paul Wazlawick gelesen habe, die Leiden im Krieg überlebt. Diese Gruppe Menschen hatten nach Erreichung des Ziels oftmals keine Lebensfreude mehr. Das Ziel hat sich dann in der Realität gar nicht so euphorisch und groß angefühlt, wie man es sich vorgestellt hat. Oder es haben dann wesentliche Dinge gefehlt.
Aber welches Ziel setzt man sich? Und nochmals: Was macht man in der Zwischenzeit?
Während eines Coachingsettings sagen Coachees oft, nach dem sie einen möglichen Weg ausgesprochen haben, „im inneren habe ich mir das schon gedacht“. Und hier ist wieder die Aussage: die Antwort steckt im System. In Ihrem System.
Im Coaching kann man sein eigenes Wertesystem einmal von außen betrachten. Vielleicht fällt einem ja was auf ? Vielleicht fängt man ja doch an im „Jetzt“ zu leben und nicht erst in der „Zukunft“?
Wäre doch schade, wenn am Ziel angekommen ein Supermarkt die Verwirklichung verbaut hat.
Zu hoffen, dass man dann mit einer Zeitmaschine „zurück in die Zukunft“ kann, ist zwar ein Ziel- aber ist es realistisch?

Sonnige Grüße aus Gran Canaria
Ihr
Jens Jannasch

Job Coaching in Südafrika – so weit weg – und doch so nah!

Vor kurzem war eine Delegation von „Cape Mental Health Society“ aus Südafrika zu Besuch, die sich sehr für das Job Coaching bei Menschen mit Behinderung interessieren. Sie probieren dort ähnliche Systeme aufzubauen, wie es sie in Deutschland – speziell in Berlin – gibt, um Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Ein absolut interessanter Austausch. Eine Stunde war angesetzt- über 2 Stunden wurden es. Nach einem kurzen Konzeptaustausch ging es dann um Möglichkeiten und Grenzen im systemischen Coaching und Job Coaching bei Menschen mit Einschränkungen.
Obwohl Südafrika für uns am „anderen Ende der Welt“ zu sein scheint, gibt es dort die selben Stolpersteine bei der Integration wie hier. Identische Vorurteile. Ähnliche Ängste und Sorgen der Menschen. Einig waren wir uns auch darin, dass die systemische Arbeit bei diesem Personenkreis sehr effektiv ist.
Es ist immer wieder erfrischend Konzepte mit anderen Städten, Bundesländern und Kulturkreisen auszutauschen. Wie groß sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen Städten/Bundesländern? Wie klein sind die Unterschiede bei Sorgen und Fragestellungen in anderen Kulturkreisen? Wie identisch sind manche Vorgehensweisen- und Vorurteile- in anderen Ländern?
Was aber bisher in jedem Austausch als eines der Ergebnisse fest stand: Hemmnisse in der Integration sind nicht die Einschränkungen der Personen oder die fehlende Motivation von Firmen Menschen mit Behinderung einzustellen.
Hemmnisse sind die Rahmenbedingungen sowie die Finanzierung effektiver und funktionierender Konzepte.
In meinem Vortrag im März auf der Werkstättenmesse in Nürnberg erwähnten wir einige dieser Strukturprobleme. Der (nicht) Kommunikation verschiedener/ gleicher Behörden untereinander.
Im Anschluss habe ich noch viele Gespräche mit KollegInnen aus anderen Bundesländern geführt. Alle stimmten hier eindeutig zu.
Und genau so auch in Südafrika. Es wird vom Gesetzgeber eine Vorgabe gegeben. Aber bis zur Erfüllung sollte alles kostenneutral ablaufen. Oder es wird nur begrenzt gefördert.
Ergibt viele EU geförderte Projekte, die bis zu einem Zeitpunkt x finanziert werden. Sie werden evaluiert. Es wird sich gewundert, warum es nicht so gut läuft. Die Personen an der Basis signalisieren aber schon lange, dass die Finanzierung nicht bei x enden darf, sondern bis z weitergeführt werden muss. Bei dem Personenkreis von Menschen mit Behinderung ist es wichtig, nachhaltig zu arbeiten. Nicht aufzuhören, wenn ein Zertifikat erlangt wurde. Nicht aufzuhören, wenn ein Praktikum gut verlaufen ist. Nein. Begleiten, fördern, schulen, coachen. Um eine Langfristigkeit zu gewährleisten.
Diese Debatte führte ich also mit einer Delegation aus Südafrika. Vom anderen Ende der Welt. Und doch im Arbeitsprozess so nah. Vielleicht sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, warum es auf der ganzen Welt die gleichen Probleme in diesem Bereich gibt.
Es ist super, dass es die UN Konventionen für Menschen mit Behinderung gibt. Es sollte aber auch genauer geguckt werden, wie man diese optimal umsetzen kann. Aus meiner täglichen Arbeit als Job Coach kann ich nur sagen: die Bereitschaft von Firmen ist da. Die motivierten Mitarbeiter sind vorhanden. Aber die Finanzierung, beide Personenkreise zusammen zu bringen, hinkt hinterher.

Eine eigene Erfahrung ist mehr Wert, als Tausend fremde Erfahrungen…

Dieses Zitat kann ich als Coach nur Bestätigen.
Immer wieder habe ich Coachees, die genau wissen, was das gesamte Umfeld von Ihnen erwartet. Alle wissen ganz genau, was für ihn die richtige Entscheidung ist. Was er machen soll. Wo seine Stärken und Schwächen sind. Familie, Freunde, Lehrer, Arbeitsvermittler….
Diese Menschen werden von ihrer Umwelt mit gut gemeinten Tips, Ratschlägen und Empfehlungen manchmal regelrecht „zugeschüttet“
Sie können genau benennen, was jeder einzelne von ihm erwartet.
Was sie nicht mehr können? Sie wissen nicht mehr, was Sie SELBST wollen.

Und hier kann ein Coaching ansetzen.

Durch das Vertrauensverhältnis Coachee/ Coach. Im Setting geht es ausschließlich um den Coachee. Es wird gemeinsam erarbeitet, was verloren gegangen ist. Der eigene Wunsch. Hier hilft die Aufstellungsarbeit und diverse Tools den Coachee (wieder) erfahren zu lassen, was sein eigener Wunsch ist.
Um ihn dann zu unterstützen, seinen eigenen Weg zu gehen.
Und dann erfolgreich zu sein.
Denn erst auf dem für sich selbst gefundenen Weg zeigt man die optimale Motivation.
Wenn man etwas anderen zuliebe macht und es selbst gar nicht so gerne möchte- wo soll man da auf Dauer seine Motivation her bekommen?
Im schlimmsten Fall scheitert man. Bekommt schlechte Feedbacks. Man macht seine Arbeit nicht gut etc.
Und warum?
Weil man es selbst vielleicht gar nicht machen wollte.

Erfrischend ist es dann seinen eigenen Weg zu gehen- und Erfolge und Lob zu ernten.
Ob im Job oder im Privatleben.
Ein Versuch ist es wert……oder?

Eine eigene Erfahrung zu sammeln ist eben doch oftmals viel mehr wert als die geballte Sammlung fremder Erfahrungen.